Filmreihe: Das Geschlecht der Bildung

100 Jahre Frauenstudium

Kinosaal im Hauptgebäude UL 6, 10099 Berlin
WiSe 2008/09
Mittwochs, 14tägig, 18 Uhr c.t.

Die Filmreihe präsentiert aus Anlass der Zulassung von Frauen zur Universität in Preußen vor hundert Jahren ausgewählte historische Filme zur Geschichte des Frauenstudiums. – Im Jahr 1908 öffneten sich die Pforten der alma mater für Frauen in Deutschland. Sie erhielten erstmals das Recht, eine akademische Ausbildung abzuschließen. Die Neuerung wurde von heftigen Kontroversen begleitet, in denen die tief verankerten Vorstellungen des Abendlandes von "Weiblichkeit"als naturnah, körperlich und ungeistig deutlich zutage traten. Man befürchtete, die Studentinnen könnten den universitären Betrieb stören, die männlichen Kommilitonen von intellektuellen Inhalten ablenken oder schlicht ihre Aufgaben als Ehefrau und Mütter aus den Augen verlieren. Einige Wissenschaftler sahen schon hereditäre Folgen voraus, mit denen der Nachwuchs dieser Frauen gekennzeichnet sein würde. Zugleich entstand aber auch ein neues Bild von der Frau: als Vamp, als kesser Bubikopf, als ökonomisch potente und kämpferische Intellektuelle – eine Vorstellung, die die tradierten Vorstellungen von Weiblichkeit über den Haufen warf und die Grenzen zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit fließend erscheinen ließ. Diese Debatte wurde auch filmisch thematisiert – noch lange nachdem die 'akademische Frau' schon eine Selbstverständlichkeit geworden war. In der Filmreihe sollen einige ausgewählte historische Filme aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, die einen einmaligen und seltenen Einblick in die zeitgenössischen Bilderwelten eröffnen. Es war eine Debatte, bei der es nicht nur um das Frauenstudium, sondern auch um das "Geschlecht"von Wissenschaft und Bildung ging. Viele der damals entworfenen Stereotype sind bis heute auf erstaunliche Weise virulent. Über die filmischen Dokumente hinaus erleichtern aktuelle Dokumentationen und kommentierende Einführungsvorträge den Zugang zu diesem zentralen Teil der zweihundertjährigen Geschichte der Humboldt-Universität.

Termin Film/Vortrag ReferentInnen
1.) Mi 29. Okt. Einführung
Unerhört. Zur Geschichte der deutschen Frauen-bewegung von 1830 bis heute, Folge 4: Der Kampf um Bildung,
Dokumentation von Christina von Braun,
D 1987 (30 Min.)

100 Jahre Frauenstudium in Baden. Der Weg zum eigenen Doktortitel
Dokumentation von Margret Schepers-Sutor-Wernich
D 2000 (ca. 30 Min.)

Bildung und Ausbildung schienen den Frauenrechtskämpferinnen vor rund hundert Jahren die wichtigsten Voraussetzungen, um als Bürgerinnen den Männern gleichgestellt zu werden. Die beiden Dokumentationen zeigen, gegen welche Vorurteile Frauen kämpfen mussten bis sie Zugang zu Schulbildung und Studium erlangten, aber auch welche Erfolge im Laufe der Zeit errungen wurden.
Prof. Dr. Christina von Braun (Humboldt-Universität zu Berlin)

Prof. Dr. Claudia Bruns (Humboldt-Universität zu Berlin)

Inge von Bönninghausen (WDR)
 
2.) Mi 12. Nov. Max et la doctoresse*
F 1914 (12 Min.)
R: Max Linder

Vortrag zum Filmm:
La mort du soleil (Die sterbende Sonne)
Drama F 1921,
R: Germaine Dulac

In "Max et la doctoresse", das 1914 in Berlin uraufgeführt wurde, verliebt sich ein junger Mann in eine praktizierende Ärztin, hat dann aber große Schwierigkeiten, ihre Berufstätigkeit zu akzeptieren ...
In "La mort du soleil"gerät eine junge Ärztin als Mitarbeiterin eines an der Bekämpfung der Tuberkulose arbeitenden Professors in den Konflikt zwischen Familienleben und Engagement für die Forschung ...
Einführung: Helga Gartner, M.A. (Wien)
 
3.) Mi 26. Nov.

Achtung veränderter Veranstaltungsort:
Zeughauskino, Unter den Linden 2, Beginn: 18:30 Uhr
Der gelbe Schein
Melodram, D 1918 (80 Min.)
R: Eugen Illès, Victor Janson – Stummfilm mit Klavierbegleitung durch Stephan Graf v. Bothmer

Die melodramatische Geschichte einer jüdischen Studentin (Pola Negri), die im Zarenreich unter Diskriminierung leidet und daran fast zerbricht. Deutschland erscheint im Gegenbild als Inbegriff von religiöser Toleranz, Kultur und Fortschritt. Uraufgeführt am 22. November 1918 in Berlin, knapp zwei Wochen nach Ausrufung der Republik. Der Film wurde während der NS-Zeit verboten und Kopien zerstört.
Einführung: Dr. des. Mimi Lipis Dr. des. Mimi Lipis (Humboldt-Universität zu Berlin)
 
4.) Mi 10. Dez. Madame Curie
Drama/ Biographie, USA 1943 (124 Min.)
R: Greer Garson

Marie Curie (1867–1934) erhielt 1903 gemeinsam mit ihrem Mann Pierre den Physik-Nobelpreis für ihre bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiet der Radioaktivität. Der Film portraitiert das Leben der leidenschaftlichen Forscherin.
Einführung: Dr. Kerstin Palm (Berlin)
 
5.) Mi 7. Jan. Unser Fräulein Doktor
Komödie, D 1940 (94 Min.)
R: Erich Engel

Die Mathematiklehrerin Dr. Elisabeth Hansen hat einen schweren Stand in der reinen Jungenklasse der "Oberprima". Sie verschafft sich jedoch allmählich Respekt und lässt sich auch von den zahlreichen Demütigungen durch ihre männlichen Kollegen nicht entmutigen ... – Ein Film, der erstaunlicherweise in der NS-Zeit entstand.
Einführung: Prof. Dr. Silke Wenk (Universität Oldenburg)
 
6.) Mi 14. Jan. Studentin Helene Willfüer
Drama nach dem Roman v. Vicky Baum, BRD 1956 (97 Min.)
R: Rudolf Jungert

Die ambitionierte Chemiestudentin Helene Willfüer kommt nach Berlin um bei Professor Matthias ihre Doktorarbeit zu schreiben. Sie bekommt ein Kind von einem Kollegen und gerät in Schwierigkeiten, die sie beinahe zwingen, die akademische Laufbahn aufzugeben ...
Einführung: Dr. Massimo Perinelli (Universität zu Köln)
 
7.) Mi 4. Feb. Die Vorzeigefrau
DDR 1986, Defa-Dokumentation von Róza Berger-Fiedler (25 Min.)

Die Dokumentation stellt Professor Dr. Helga Hörz vor, ehemalige Leiterin des Bereichs Ethik an der Humboldt-Universität zu Berlin und Vertreterin der DDR in der UNO-Kommission für den Rechtsstatus der Frau.
Einführung: Prof. Dr. Ulrike Auga (Humboldt-Universität zu Berlin)
 
*"Max et la Doctoresse" ist in Berlin uraufgeführt worden:
UA: 1. Mai 1914 (Berlin/U.T. – Unter den Linden)
U.T.: "An der Stelle, an der heute das Grand-Hotel steht, verlief die 130 m lange Linden- oder auch Kaiserpassage bis hin zur Friedrich-/Ecke Behrenstraße. Unter den Linden 21 hier eröffnet 1896/97 das erste Berliner Kino in einem angemieteten Raum des Restaurants Wilhelmshallen. Allerdings konnte es sich nur wenige Monate halten. Dann gab es erst ab dem 20.8.1910 in diesem Haus wieder ein Kino, das zweite Berliner Union Theater und später die Decla-Lichtspiele. Die rechten Nachbarhäuser Unter den Linden 19–20 gehörten den Vorfahren Marlene Dietrichs."