Kurzportrait

Claudia Bruns

Juniorprofessur für »Genderstudien und Wissensgeschichte« am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Philosophischen Fakultät III der HU

Zum Oktober 2007 werde ich als Juniorprofessorin mit der Denomination »Genderstudien und Wissensgeschichte« meine Arbeit an der Humboldt-Universität aufnehmen. Ich freue mich, damit zwei Schwerpunkte zu vertreten, die mich in meiner bisherigen Forschung als Historikerin mit kulturwissenschaftlicher Ausrichtung sehr beschäftigt haben. Die Frage, warum etwas zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt gedacht, gesagt und für sinnvoll befunden werden konnte – mithin die Suche nach den Grenzen des Denk-, Fühl- und Sagbaren –, hat mich von Anfang meines Studiums an fasziniert und begleitet. Ein weiterer Impuls war eine sich an der Geschichte des Holocaust entzündende Suche nach den Mechanismen der Macht, nach den Funktionsweisen des Politischen – nach den ebenso feinen und raffinierten, nichtsdestotrotz gewaltsamen Arten, gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse zu produzieren.

Diese Interessen verbindend, untersucht meine Dissertation die Verknüpfung verschiedener Wissensdiskurse (Ethnologie, Medizin, Sexualwissenschaften, Lebensreform) mit den politisch-sozialen Machtrelationen »Rasse«, »Klasse« und »Geschlecht« in Männerbundentwürfen zwischen 1880 und 1934. Methodisch schließt die Arbeit an neuere Theoriedebatten zur diskursanalytisch orientierten Kulturgeschichte des Politischen an und entwickelt diese im Hinblick auf eine stärkere Integration von biographischen und subjektkonstitutiven Elementen weiter. Sie ist im Rahmen des Hamburger Forschungsprojekts »Geschlechtergeschichte des Politischen« entstanden, welches den Frauenförderpreis der Universität Hamburg 2002 erhalten hat.

Publiziert habe ich auf den Gebieten der politischen Kultur- und Geschlechtergeschichte, der Sexualitäts- und Körpergeschichte, der Jugend- und Emanzipationsbewegungen, der Konservativen Revolution und des Antisemitismus sowie zu methodisch-theoretischen Fragen. Meine eigene Arbeit und die Forschungsprojekte, in denen ich mitgearbeitet habe, waren sowohl transdisziplinär ausgerichtet als auch an Fragen symbolischer Ordnung und medialer Repräsentation orientiert. So galt die besondere Aufmerksamkeit im Hamburger Projekt der Schnittstelle zwischen Fragen politischer Praxis, Staatstheorie und Ikonografie im 20. Jahrhundert. Als Postdoktorandin des Trierer DFG-Graduiertenkollegs »Identität und Differenz« arbeitete ich an der Herausgabe des Sammelbandes »Ethnizität und Geschlecht. (Post-)Koloniale Verhandlungen in Geschichte, Kunst und Medien« (Böhlau 2005) mit. Hier werden die Zusammenhänge zwischen Alltagspraxis und ästhetischer Konstruktion, zwischen gelebten und künstlerisch inszenierten Diskursen ins Zentrum gestellt.

Mein aktuelles Projekt, das nicht zuletzt durch meine Mitarbeit im interdisziplinären Nordamerikastudienprogramm an der Universität Bonn angestoßen und im Rahmen meiner Juniorprofessur für Europäische Kulturgeschichte an der Universität Hildesheim weiter entwickelt wurde, untersucht den Transfer von rassistischen Diskurs(praktik)en zwischen Ländern mit kolonialer Expansion und Sklaverei (England, USA) und Deutschland. Besonders die Frage der Verschränkung von antinegridem und antisemitischem Wissen sowie die Bedeutung von religiösen Diskursen für die Entstehung und Transformation rassistischen Wissens seit dem 18. Jahrhundert sind dabei von Bedeutung. Hier freue ich mich auf ein Arbeitsumfeld, welches sich vielfach mit postkolonialen Themen und Rassismus auseinandersetzt, und werde meinerseits entsprechende Lehrveranstaltungen anbieten.

Neue Professorinnen / wiss. Mitarbeiterinnen stellen sich vor 35 In der Lehre werde ich neben der klassischen Seminarform auch Projektseminare anbieten, die die Interessen und Fragen der Studierenden zum Ausgangspunkt nehmen. Initiativen von Studierenden sind daher sehr willkommen.

Kontakt: cl.bruns@t-online.de.