Das Pendel.
Eine Wissensgeschichte
Ist im Herbst 2007 beim Wilhelm Fink Verlag erschienen.
Ein Buch, das den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft ernst nimmt, indem es die Geschichte eines einzigen Dings von den frühen Hochkulturen bis heute erzählt: die Geschichte des Pendels.
Pendel schwingen unter dem Einfluss der Schwerkraft, und sie machen deshalb die Gravitation sichtbar. Ihre Bewegungen folgen den Kreisen und Ellipsen der Planeten. Der berühmte Kronleuchter im Dom zu Pisa, der Galileo Galilei der Legende nach zum Pendelgesetz verholfen haben soll, wird damit zu einem mathematischen Modell des Himmels. Egal wie weit das Pendel ausschlägt: Es schwingt nach gleichen Zeiten stets wieder durch seinen tiefsten Punkt. So sind es die beiden Kulturtechniken Zahl und Kreis, die das Ineinandergreifen von Differenz und Wiederholung im Pendel formalisier- und berechenbar werden lassen.
Als transdisziplinäre Studie vermittelt die vorliegende Wissensgeschichte des Pendels nicht bloß zwischen unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Sie bietet vielmehr eine wechselseitige Übersetzung geistes-, kultur- und naturwissenschaftlicher Forschungen und historischer Debatten zum antiken Gnomon, dem ballistischen Pendel der Artillerie, dem Metronom, dem Spiritismus oder der Relativitätstheorie. Zwei markante Höhepunkte der Pendelgeschichte bilden seit dem 17. Jahrhundert die Messbarkeit von Störungen am Beispiel der Erdgestalt und seit 1850 das Synchronisationsproblem zwischen zwei Pendeln, mit denen Zeit genau wie Bilder telegraphisch übertragbar wurde. Kassungs Studie nimmt den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft buchstäblich ernst, indem sie die Geschichte eines einzigen Dings von den frühen Hochkulturen bis heute erzählt: die Geschichte des Pendels.