Ausgewählte Publikationen
 
Die Unordnung der Dinge.
Eine Wissens- und Mediengeschichte des Unfalls. Herausgegeben von Christian Kassung

Ist im Mai 2009 bei transcript erschienen.

Unfälle machen Geschichte. Sie sind immer schon geschehen, werden akribisch aufgearbeitet und rekonstruiert – und widersetzen sich trotzdem ihrer medialen Darstellung.

Die Unordnung der DingeWer auf das 20. Jahrhundert zurückschaut, der sieht sich konfrontiert mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit von Unfällen und Katastrophen. Im einen Jahr häufiger, in der einen Dekade etwas weniger häufig, mal lokal begrenzt und dann von globaler Prominenz, gelten Unfälle einerseits als das Paradigma des Unvorhersehbaren und Zerstörerischen. Andererseits lernen Kulturen offensichtlich so regelmäßig aus den Störungen ihres technischen Fortschritts, daß sich die Frage nach einem Zusammenhang von Unfall und Wissensgeschichte geradezu aufdrängt. Ist unsere kulturelle Ordnung paradoxerweise deshalb stabil, weil es Unfälle gibt?

Rezensionen:
»Beim Lesen merkt man den Autoren förmlich ihre Begeisterung für dieses randständige Themenfeld an, so dass man sich bei der Lektüre plötzlich in einem Sog von spannenden und erstaunlichen Fakten und Fiktionen wiederfindet. Ehe man sich’s versieht, hat man dann den knapp 470 Seiten langen ›Unfallbericht‹ durchgearbeitet. Es ist selten, dass in einem Sammelband die Arbeiten mit einer so durchgehend hohen inhaltlichen und stilistischen Qualität überzeugen können, wie dies in der vorliegenden Ausgabe der Fall ist. Eine so beispielhafte Komposition von Fachaufsätzen wünscht man sich öfter.« (Florian Reinacher, f.lm )
»Alles in allem versammelt der Band durchwegs interessante Aufsätze, die sich nicht allzu weit von dem im Vorwort abgesteckten Spannungsfeld entfernen und so eine durchwegs anregende Lektüre im Rahmen der Fragestellung ermöglichen.« (Johannes Kassar, H-Soz-u-Kult )
»Solche Kritik zeigt letztlich, dass es Kassung und den Autoren des Bandes gelungen ist, ein Debattenfeld zu eröffnen, das von höchstem Interesse ist und das als Zugang zu den Phänomenen und Themenbereichen der industriellen Moderne seit dem frühen 19. Jahrhundert aufschlussreiche Ergebnisse sichtbar werden lässt. Entstanden ist ein anregender, nützlicher und diskutabler Band mit zahlreichen lesenswerten Beiträgen.« (Walter Delabar, literaturkritik.de )


Das Pendel.
Eine Wissensgeschichte

Ist im Herbst 2007 beim Wilhelm Fink Verlag erschienen.

Ein Buch, das den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft ernst nimmt, indem es die Geschichte eines einzigen Dings von den frühen Hochkulturen bis heute erzählt: die Geschichte des Pendels.

Das Pendel. Eine WissensgeschichtePendel schwingen unter dem Einfluss der Schwerkraft, und sie machen deshalb die Gravitation sichtbar. Ihre Bewegungen folgen den Kreisen und Ellipsen der Planeten. Der berühmte Kronleuchter im Dom zu Pisa, der Galileo Galilei der Legende nach zum Pendelgesetz verholfen haben soll, wird damit zu einem mathematischen Modell des Himmels. Egal wie weit das Pendel ausschlägt: Es schwingt nach gleichen Zeiten stets wieder durch seinen tiefsten Punkt. So sind es die beiden Kulturtechniken Zahl und Kreis, die das Ineinandergreifen von Differenz und Wiederholung im Pendel formalisier- und berechenbar werden lassen.
Als transdisziplinäre Studie vermittelt die vorliegende Wissensgeschichte des Pendels nicht bloß zwischen unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Sie bietet vielmehr eine wechselseitige Übersetzung geistes-, kultur- und naturwissenschaftlicher Forschungen und historischer Debatten zum antiken Gnomon, dem ballistischen Pendel der Artillerie, dem Metronom, dem Spiritismus oder der Relativitätstheorie. Zwei markante Höhepunkte der Pendelgeschichte bilden seit dem 17. Jahrhundert die Messbarkeit von Störungen am Beispiel der Erdgestalt und seit 1850 das Synchronisationsproblem zwischen zwei Pendeln, mit denen Zeit genau wie Bilder telegraphisch übertragbar wurde. Kassungs Studie nimmt den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft buchstäblich ernst, indem sie die Geschichte eines einzigen Dings von den frühen Hochkulturen bis heute erzählt: die Geschichte des Pendels.




 

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