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Graduiertenkolleg Codierung von Gewalt im medialen Wandel
Gegenstand des Kollegs ist die Codierung von Gewalt, verstanden als Übertragung von Gewalt in die Zeichensysteme symbolischer Repräsentationen und stratifizierender Operationalisierungen. Die Forschungen des Kollegs konzentrieren sich auf die medialen Formen, die diskursiven Strukturen und die ästhetischen Strategien, in denen die Codierung von Gewalt in der europäischen Kultur vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert erfolgt. Ein besonderes Interesse liegt auf der konstitutiven Rolle von Gewaltakten und gewaltförmigen Praktiken für den Kulturprozeß insgesamt. Ausgangspunkte sind die geläufige, auf die Polarität von Physis und Nomos zurückführende Unterscheidung von violentia und potestas und die ihr entspringende moderne Differenzierung von ereignisförmig-akuter und struktureller Gewalt sowie deren Transzendierung. Denn um teleologischer Vorannahmen, wie sie häufig aus der Prozessualisierung der bipolaren Struktur von violentia/potestas bzw. Ereignis/Struktur hervorgehen, zu vermeiden, sind diese nicht im Sinne substantialistischer Entitäten zu denken, die in den kulturellen Zeichensystemen lediglich konventionalisiert werden, sondern als Effekte der Codierung selbst zu beschreiben. Im Kreuzungsfeld von Mediengeschichte und den Fragestellungen historischer Anthropologie wird an einem wechselseitigen Beziehungsfeld gearbeitet von klassischer Begriffsgeschichte der Gewalt, neuerer Mediengeschichte, sozialanthropologischen Befunden historischer Manifestationen von Gewalt sowie den spezifischen Formen ihrer kulturellen Codierung.
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