Schreiben bedeutet, Unbestimmtheit weniger unbestimmt zu machen, d.h. zu bestimmen, d.h. zu unterscheiden. Was soll gesagt, was verschwiegen werden? Die Schreibmaschine erlaubte der Schreiberin im Vergleich zum Federgebrauch vor allem eine h–here Geschwindigkeit. Quantitative Produktionsverbesserung. Mit dem Wordprocessor vollzieht sich erneut ein Wandel der Instrumente des Schreibens, diesmal jedoch qualitativer Art. Der Wordprocessor, das sog.\ Textverarbeitungsprogramm, funktioniert als Eingabehilfe von Texten, die digital gespeichert werden. Jeder Digitalspeicher bildet somit eine kleine, lokale Datenbank, die indem sie sich ins elektronische Netzwerk Internet einklinkt, Bestandteil des globalgewobenen Textraums wird. Schreiben heiþt also Bewegung im Raum. Dabei gilt es, R¸cksicht, Vorsicht und Umsicht auszu¸ben.
R¸cksicht, um den eigenen Text mit dem globalen Gewebe zu durchwirken. Das Netzwerk explizit verwirklichen durch elektronische Anbindung der eigenen lokalen Datenbank, der kleinen Textur an die umfassende. Bestimmte Hyperlinks setzen. Einst–pseln, zum Beispiel das Wort Fatwa mit der korrespondierenden Sure des Online-Korans in Teheran. Diskurse implantieren. Konnektivit”t bedeutet Assoziativit”t.
Vorsicht, um dem Leser im eigenen Text Ankopplungsm–glichkeiten zu bieten. (An-)greifbar sein. Vorausschauend lose F”den im Text belassen, die der autorisierte Leser aufnehmen kann.
Umsicht, um R”ume konstruierend zu erschlieþen, Zeitstrukturen
aufzul–sen. Denn -- erneut den Diskurs der Fr¸hromantik bem¸hend --:
nicht der zeitliche, sondern der innere Zusammenhang
z”hlt.
Schreiben heiþt nicht mehr,
sich nur zu entscheiden zwischen den zu w”hlenden Worten, sondern auch
zwischen Setzen/nicht Setzen einer Explikation, einer Nicht-Leerstelle,
eines Hyperlinks: st”ndig zu entscheiden, ob zu verzweigen.
Obschon die neuen Kan”le der Distribution in elektronischen Netzwerken einfache Wege zur Ver–ffentlichung anbieten, beschr”nkt sich die deutschsprachige Hyperfiktion auf kleine Kreise. Jeder kann von seiner Schreibtischoberfl”che geradewegs Texte ver–ffentlichen. Doch entscheidet nicht mehr das Werk eines Einzelnen. Sondern die interaktiv in einem Prozeþ der asynchronen Bedeutungskonstitution entworfenen neuen, elektronischen R”ume der Literatur spiegeln das Medium ihrer Entstehung. ``Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.''
Erst mit integrierten Schaltkreisen auf Computerchips als wesentliche Funktionsbestandteile der Universalen Diskreten Maschine gelang die kosteng¸nstige Produktion des Personal Computers. Diese f–rderte die weltweite Verbreitung der Maschinen in Rechenzentren, B¸ros und auf heimischen Schreibtischen. Die Rechenmaschinen lieþen sich wiederum zu einem komplexen Netzwerk zusammenschlieþen. Diese Vernetzung bildet die Grundstruktur f¸r ein globales Textgewebe, in dem sich Lesen und Schreiben entzeitlichen und verr”umlichen. Fortan heiþt Lesen ´Klickenª und Schreiben Verschalten. Dem anfangs entbotenen Willkommensgruþ f¸gt die postmoderne Schreib/Lesemaschine einen weiteren Wunsch hinzu: ``Viel Vergn¸gen bei der Schaltreise ...''