Die Strukturen, denen das Schreiben unter hochtechnischen Bedingungen zu
Grunde liegt, sind nicht mehr fein gesiebte und unzusammenh”ngend
zusammengepappte Papierfasern. Stattdessen befindet sich das Fundament
des Schreibens in und auf der ganzen Erde, wo es sich Wurzeln schlagend
ausbreitet. Das Wissen der Welt ist rhizomatisch
angeordnet
und in Netzwerken gespeichert. Diese Netzwerke bestehen aus sehr
zahlreichen, durch reversible Kabel miteinander verbundenen universalen
Maschinen auf der ganzen Ersten und Zweiten mit Ausnahme der Dritten Welt.
Von jedem Knoten dieses Rhizoms k–nnen mit Hilfe spezifischer Codes, sog.\
software, unterschiedlichste Informationen anderer Knoten abgefragt
und eingeholt werden. Jeder Knoten bildet seinerseits wiederum einen
Distributor bestimmter Informationen, indem er eigene Daten anbietet.
Was die ``neuen Medien'' wie Radio und Fernsehen technisch von Beginn an
erlaubten, aus politischen Gr¸nden jedoch bislang verhindert worden
ist,
setzt sich nun
mit den neuesten Medien durch: Kommunikation mit M–glichkeit zum
Widerspruch.
Die alten Kommunikationsstrukturen ohne R¸ckkopplungseffekte, wie zum Beispiel das Fernsehen mit seiner Punkt-zu-Viele-Kommunikation, werden derzeit abgel–st durch Kommunikation mit reversiblen Kan”len. Die Nachteile der Einwegkommunikation liegen auf der Hand:
Die Bilder werden von einem ´Senderª hergestellt und von dort an ´Empf”ngerª b¸ndelf–rmig mittels Kabeln verteilt, welche nur in einer Richtung - zum Empf”nger - ¸bermitteln. Das hat zur Folge, daþ die Empf”nger ´verantwortungslosª sind, weil die Kabeln deren etwaige Antworten nicht ¸bermitteln. Daþ die Empf”nger zugleich alle die gleiche Botschaft empfangen und daher die gleichen Ansichten haben. Daþ sie einander nicht erblicken, weil die Kabel keine Querschaltungen gestatten.Erst in der Negation dieser Schaltungsart wird deutlich, welche ungeheuren Chancen auch politischer Natur in dem globalen Netz der universalen Maschinen ruhen. In den basisdemokratisch organisierten Kommunikationskan”le zeigen sich Art und Weise der Verst”ndigung ihrer Hierarchien beraubt. Die Querverbindungen zwischen den Empf”ngern sind gekn¸pft. Senden und Empfangen von Daten verschmilzt. Jedefrau/jedermann, die ¸ber Anschluþ ans elektronische Netz verf¸gen, besitzen Sprech- und Schreibberechtigung. Konventionelle Grenzen werden aufgehoben, da die virtuelle Adresse eines Netzknotens einer Briefkastenfirma den gleichen Status besitzt wie die elektronische Anschrift eines Konzerns, der Industriestandards definiert. Das Biotop scheint jedoch schon bedroht. Zwar bestimmen gegenw”rtig die Begriffe information highway verbunden mit Basisdemokratie die ÷ffentlichkeit, doch droht diesem befreiten Diskurs bereits wieder die Zensur, so daþ der Schutz dieser Verschaltung gefordert werden muþ.![]()
Kommunikationsstrukturen, die als Netzwerk organisiert sind, bilden keine
Neuheit. Es gibt sie bereits seit die Israeliten eine ``–ffentliche
Meinung'' gegen Moses bildeten.
Netzdialoge sind das Reservoir, in das letzten Endes alle Informationen, wenn auch manchmal auf komplexen Umwegen, m¸nden. Sie sind der letzte Staudamm, der Informationen vor der entropischen Tendenz der Natur bewahrt: das ´kollektive Ged”chtnisª.![]()
Der grundlegende Unterschied zwischen Diskursen in herk–mmlichen Netzwerken und Diskursen im Internet besteht in ihrer r”umlichen, nahezu weltumfassenden Ausdehnung und der Ðbermittlungsgeschwindigkeit, die, weil elektronisch, nicht weniger ist als die des Lichts: unplugged vs. plugged. Als charakteristische Beschaffenheit des elektronischen Netzes wird einerseits der Bedeutungsverlust der Zeit angef¸hrt. Literatur, die sich auf viele Netzknoten st¸tzt, kann nicht mehr linear, d.h. mit einer Zeit, gelesen werden, da jeder Knoten auf zahlreiche Alternativen als Anschluþm–glichkeiten verweist.
Andererseits entstehen durch immer neue Verweise auf andere Netzknoten
neue Wege und damit neuartige virtuelle R”ume, die andere
Diskursteilnehmer mit Hilfe von elektronischen Spuren (Hyperlinks)
durchschreiten k–nnen. Da diese R”ume nicht-hierarchisch angeordnet sind,
ist kein Zentrum ausgewiesen, von dem sich Sinn erschlieþen
lieþe.
Wenn kein Anfang, kein Mittelpunkt und keine Hierarchie existieren, wie kann der Text erschlossen werden? Die Strategie liegt ¸ber dem Text: Hypertext.