Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Kulturwissenschaft

M.A. Moritz Neuffer

Name
M.A. Moritz Neuffer
Status
wiss. Mitarb.
E-Mail
moritz.neuffer (at) hu-berlin.de

Arbeitsschwerpunkte

  • Kulturgeschichte des Wissens, Ideengeschichte, Intellectual History
  • Geschichte der Geistes- und Kulturwissenschaften
  • Theorie und Geschichte sozialer Bewegungen und Avantgarden

 

Promotionsvorhaben

Das Promotionsvorhaben untersucht die Geschichte theoretischer Diskurse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als eine Geschichte kollektiver Autorschaften und publizistischer Verfahren, deren Nachvollzug Theoriebildung und -rezeption als kommunikativen Wirkungszusammenhang sichtbar macht. Im Zentrum der Studie stehen Zeitschriftenprojekte aus den 1950er bis 1980er Jahren: alternative (1958–82), Studies on the Left (1959–67), Arguments (1956–62) und The (New) Reasoner/New Left Review (seit 1956/1960). Die Beschreibung ihrer Theoriearbeit als „Herstellung von orientierendem Zusammenhang“ (O. Negt / A. Kluge) lässt sich auf die Inhalte der Zeitschriften und zugleich auf ihre Funktion als Medien intellektueller Selbstvergewisserung beziehen.
 

Vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bildungsexpansion und ihres Krisendiskurses sowie einer vielfach diagnostizierten Theoriebedürftigkeit in den Geisteswissenschaften werden Grenzbereiche zwischen Disziplinen sowie zwischen akademischen und außerakademischen Feldern zu Orten einer als Gesellschaftskritik verstandenen Wissenschaftskritik. Dies gilt besonders für Akteure aus dem Umfeld der New Left, die Westlichen Marxismus und Kritische Theorie, Strukturalismus und Psychoanalyse rezipieren und verbinden. Die ›journalistische Form‹ (J. Taubes) ist in diesem Zusammenhang Träger der distanzierenden und dokumentierenden Auseinandersetzung mit Methode, Kanon und geschichtlichem Erbe in den Geisteswissenschaften und zugleich Medium ihrer Neuausrichtung und -adressierung: Wer aus dem Raum des Akademischen heraus mit wem und worüber spricht und sprechen kann, wird im Medium der Theorie ausgehandelt. Der paradigmatische Ort dieser Aushandlung ist die Zeitschrift.
 

An den gewählten Zeitschriftengründungen und ihren Verlaufsgeschichten lässt sich aufzeigen, wie sich Theoriebildung und Selbstbildung in der Arbeit am publizistischen Produkt verschränken. In ihm werden Fragen von Anspruch und Legitimität, Aktualität und Scheitern von Theorie ausgehandelt und in Selbstzeugnissen, Interviews, Gesprächsprotokollen und durch den Abdruck von Archivmaterial (ego-)dokumentarisch untermauert. Fragen der Gültigkeit von Theorie berühren dabei immer zugleich Fragen der politischen Subjektivität von Herausgebenden, Schreibenden, Lesenden und Nicht-Lesenden. Das Dissertationsvorhaben untersucht Textsorten und Verfahren, die diese Art der selbstvergewissernden Diskussion ermöglichen: philologische, historiographische und archivische Praktiken, die theoretisches Wissen und Wissen über Theorie hervorbringen.

 

Vita

Studium der Geschichte und Germanistik an den Universitäten Hamburg, Paris VII und Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2014 Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. 2012-2013 Forschungsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung am Deutschen Literaturarchiv Marbach. 2015 Co-Kurator der Ausstellung "Reinhart Kosellecks Geschichte zum Sehen" im Literaturmuseum der Moderne, Marbach.

 

Vorträge und Moderationen

  • "Bewußtseinsbildung. Heinz Dieter Kittsteiner in der Alternative und den Berliner Heften", Vortrag auf der Tagung "Geschichtsphilosophie nach der Geschichtsphilosophie. Perspektiven der Kulturgeschichte im Ausgang von Heinz Dieter Kittsteiner", 1.-2. Dezember 2016, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Helle Panke Berlin.
  • "Die journalistische Form der Theorie", Vortrag auf der Tagung "Die Zeitschrift. Sinn, Form, Konjunktur", 17.-18. November 2016, Deutsches Literaturarchiv Marbach.
  • Moderation des Panels "Urbane Verbindungslinien. Prag / Warschau / Rom / Havanna / Mexiko-Stadt" auf der Tagung „A Tale of 100 Cities. Ideas Conflicts and Revolt in the 1960s“, 2.-3. Mai 2016, Schloss Herrenhausen, Hannover.
  • Gemeinsam mit Philipp Goll und Morten Paul: "Alternative Republik Tumult" auf der Tagung "McLuhan ist nicht tot. Alternative Publikationsformen seit den 1960er Jahren", 15.-16. Januar 2016, HfBK Bremen.
  • „Invisible Communities? Theory Journals and Their Readers“ im Rahmen des Workshops  „Archives éditoriales: pour quelles recherches ?“, 31.3-4.4 2014, Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC), Saint-Germain la Blanche-Herbe.

 

Publikationen (Auswahl)

  • Petra Boden: Soviel Wende war nie. Zur Geschichte des Projekts "Ästhetische Grundbegriffe", Rezension in: Geschichte der Germanistik. Historische Zeitschrift für die Philologien 47/48 (2015).
  • Drinnen und Draußen. Die Gruppe Poetik und Hermeneutik 1963-2013, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 8 (2014) 3, S. 114-118.
  • Distanzgesten. Ein Gespräch über das Zeitschriftenmachen mit Ulrich Raulff und Wolfert von Rahden. In: Grundlagenforschung 1 (2014), S. 64-87 (gem. mit Morten Paul). Online: http://1.grundlagenforschung.org/GF1_Rahden_Raulff.pdf
  • «Collecting Ideas – The Idea of Collecting». 16.05.-18.05.2013, Marbach, Tagungsbericht in: H-Soz-u-Kult, 27.07.2013.
  • Koselleck liest Kracauer, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 7 (2013) 3, S. 123-27.
  • Das Ende der ›Alternative‹, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6 (2012) 4, S. 50-61.

 

Lehrveranstaltungen

  • WS 2016/17: Wovon wir reden, wenn wir von Kultur reden (Einführung in Kulturtheorie, gemeinsam mit Philipp Felsch)
  • WS 2015/16: Materialität des Wissens, Humboldt-Universität zu Berlin (gemeinsam mit Philipp Felsch)