Sommersemester 2026
Mediengeschichte Berlins
Die Geschichte Berlin lässt sich auch als Mediengeschichte erzählen. Bereits Friedrich II. verlegte Mitte des 18. Jahrhunderts die königliche Oper aus der Residenz heraus direkt ins Berliner Stadtbild. Einhundert Jahre später besuchte man mondäne Kaiserpanoramen und hatte dabei eine der zahlreichen, teilweise dreimal täglich erscheinenden Tageszeitungen unter dem Arm. Die Entwicklung zur größten Industriestadt Europas in den 1920er Jahren erfolgt in enger Wechselwirkung mit technischen Medien wie Glühlampe, Film, Radio, Fernsehen oder Computer. Aber auch in der jüngeren Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung spielen Medien wie die Abhöranlage auf dem Teufelsberg oder die Rohrpostblockade 1949 eine wichtige Rolle. Das Seminar verbindet Exkursionen zu wichtigen Medienorten mit Standortreferaten und gemeinsamer Lektüre einschlägiger Texte zu Medienbegriffen und -theorie.
Teilnahme: Der Besuch dieses Seminars setzt keine Studienleistungen voraus. Das Seminar findet als Präsenzveranstaltung statt und beginnt am 14.4.2026. Zur Teilnahme melden Sie sich bitte im zugehörigen Moodle-Kurs mit dem Passwort »Etude« an.
Prüfung: Im Seminar kann ein Teilnahmeschein (3 LP) durch regelmäßige Teilnahme und Protokollierung einer Seminarsitzung erworben wie auch eine Modulabschlussprüfung durch eine Hausarbeit (4 LP) abgelegt werden.
SE | Di 14-16 Uhr | wöch. | Georgenst. 47, 0.07 (EG)
Agnes: 532823
Lektürekurs Kulturtechnikforschung
Bereits im Wort ›Kultur‹, das auf das lateinische *colere*, *cultura* zurückgeht, ist das Technische enthalten: jene Praktiken und Techniken, jenes implizite und verkörperte Wissen und jene Werkzeuge und Apparate, mit denen Boden urbar gemacht sowie eine ortsgebundene Besiedelung der Erde ermöglicht wurde. Kulturwissenschaft und besonders die Kulturtechnikforschung schließt an dieses technische Verständnis an und bricht so mit einem bildungsbürgerlichen Kulturverständnis des 19. Jahrhunderts, das Kultur mit Bildung, ›hoher‹ Kunst und gutem Geschmack gleichsetzte. Aus diesem Ansatz entwickelte sich sukzessive ein Theorierepertoire, das klassische Kulturtechniken wie Bild, Schrift und Zahl, aber auch Körpertechniken, Medien und aktuell Umwelten addressiert. Das Seminar widmet sich ›Klassikern‹ der Kulturtechnikforschung von Vico und Mauss über Macho und Siegert bis Sprenger und Le Guin, die im *close reading*
erschlossen werden sollen.
Teilnahme: Der Besuch dieses Seminars setzt keine Studienleistungen voraus. Das Seminar findet als Präsenzveranstaltung statt und beginnt am 14.4.2026. Zur Teilnahme melden Sie sich bitte im zugehörigen Moodle-Kurs mit dem Passwort »Sonate« an.
Prüfung: Im Seminar kann ein Teilnahmeschein (3 LP) durch regelmäßige Teilnahme und Protokollierung einer Seminarsitzung erworben wie auch eine Modulabschlussprüfung durch eine Hausarbeit (4 LP) abgelegt werden.
SE | Di 10-12 Uhr | wöch. | Georgenstr. 47, 0.10 (EG)
Abnes: 532860
Fundus und Unauffindbares. Medienarchäologisches Sammeln in globaler Perspektive
(zusammen mit Prof. Viktoria Tkaczyk)
Mediengeschichte manifestiert sich in Artefakten. Mit diesen dinglichen Überresten befasst sich die Medienarchäologie: sammelnd, kontextualisierend, interpretierend und kritisierend. Einerseits geht es dabei um Genealogien, also die Freilegung von Verbindungslinien und Brüchen zwischen diachronen Medientechnologien und medialen Praktiken. Andererseits richtet sich der medienarchäologische Blick auf die Artefakte selbst – ihre materielle Beschaffenheit, ihre technische Funktionsweise sowie die spezifischen Medienlogiken, die sich unter anderem aus dem Experimentieren mit und dem haptischen Begreifen der Artefakte ergeben.
Dieser doppelten Perspektive folgt der medienarchäologische Fundus der Humboldt-Universität zu Berlin seit nunmehr zwei Jahrzehnten und hat damit internationale Aufmerksamkeit erlangt. Die Lehr- und Forschungssammlung am Kupfergraben 5 umfasst rund 400 Objekte, vorwiegend Medien der europäischen Moderne. Vor dem Hintergrund neuer Ansätze in Medien- und Kulturwissenschaft ergeben sich nun auch neue Fragestellungen an den Fundus: Wie lässt sich die Sammlung globalhistorisch erweitern und zugleich kritisch reflektieren? Lassen sich beispielsweise aktuelle Methoden der Provenienzforschung sowie Strategien des „Undoing“ von Sammlungen integrieren – insbesondere im Umgang mit Artefakten aus politisch problematischen Kontexten? Aus welchen Materialien bestehen die Artefakte und unter welchen ökologischen und arbeitsrechtlichen Bedingungen wurden sie hergestellt? In welcher Weise können Sammlungspraxis und spekulative Historiografie miteinander verschränkt werden, um bisher nicht berücksichtigte oder unauffindbare Artefakte einzubeziehen? Welche Nutzungsszenarien eröffnen sich aus Perspektiven der Gender Studies, der Race Studies oder der Disability Studies? Und wie kann eine medienarchäologische Sammlung auf gegenwärtige Verschiebungen innerhalb der Medien- und Kulturwissenschaft reagieren – weg von der Analyse einzelner Medien wie Grammophon, Film oder Schreibmaschine, hin zu global vernetzten Medieninfrastrukturen, planetaren Cloud- und Plattformökonomien sowie modellbasierter KI-Technologie. Diesen Fragen widmen sich Medien- und Kulturwissenschaftler:innen im Rahmen einer Ringvorlesung.
Teilnahme: Studierende sind eingeladen, die Vorlesung entweder regelmäßig als Zuhörende zu besuchen (3 LP) oder sich zusätzlich im Rahmen einer MAP mit einem eigenen Beitrag aktiv zu beteiligen etwa in Form einer Studie zu einem vorhandenen Sammlungsobjekt oder eines begründeten Anschaffungsvorschlags (Essay/Hausarbeit, 4 LP, Anmeldung für MAP).
VL | Di 18-20 Uhr | wöch. | Unter den Linden 6, 3075
Agnes: 532815
Dark Side of the Moon
Der Mond ist – mit einer bis in die Antike zurückreichenden Vorgeschichte – bisheute Projektionsfläche unterschiedlichster kultureller Ideen, Entwürfe und Praktiken. Dies gilt insbesondere für die dunkle Seite des Mondes, die aufgrund ihrer (hoch-)technischen Vermittlungsgeschichte beständig zwischen Mystifizierung und Rationalisierung pendelt. Die dunkle Mondseite wird damit selbst zu einem Spiegel der europäischen Wissens- und Kulturgeschichte. Das Seminar wird drei Ebenen dieser langen Faszinationsgeschichte miteinander
verschalten: erstens die mit dem Mond verbundenen Mythen, Imaginative und Projektionen, zweitens die Medien und Techniken der Monderkundung und drittens die Wissensgeschichte des Erdtrabanten. Das Seminar wird durchgängig mit Referatbeiträgen zu den jeweiligen Themen arbeiten. Für die erfolgreiche Teilnahme am Seminar ist ein Referatbeitrag obligatorisch, eine vorherige Anmeldung per E-Mail wird empfohlen. Ein entsprechender Reader wird zum 1.4.2026 in Moodle freigeschaltet.
Teilnahme: Der Besuch dieses Seminars setzt keine Studienleistungen voraus.
Das Seminar findet als Präsenzveranstaltung statt und beginnt am 15.4.2026. Zur Teilnahme melden Sie sich bitte im zugehörigen Moodle-Kurs mit dem Passwort »Ballade« an.
Prüfung: Im Seminar kann ein Teilnahmeschein (3 LP) durch regelmäßige Teilnahme und Inputreferat zu einer Seminarsitzung erworben wie auch eine Modulabschlussprüfung durch eine Hausarbeit (4 LP) abgelegt werden.
SE | Mi 10-12 | wöch. | Georgenstr. 47, 0.07 (EG)
Agnes: 532863
BA-Kolloquium
Die Betreuung der Bachelorabschlussarbeiten findet grundsätzlich im Rahmen der angebotenen Kolloquien statt. Die Einschreibung in die Kolloquien erfolgt durch eine Vorabregistrierung über den Moodle-Kurs https://moodle.hu-berlin.de/course/view.php?id=132104 mit dem Kurs-Schlüssel »Finale«. Sie können dort Ihre Präferenzen für die Erst- und Zweitbetreuung angeben und werden dann Ihren Betreuenden und den Kolloquien zugeteilt.
Das Bachelor-Kolloquium begleitet die Konzeption und das Verfassen der ersten wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Ziel ist es, Studierende bei der Themenfindung, Themeneingrenzung und Ausarbeitung ihrer Bachelorarbeiten zu unterstützen und ein Forum für den Austausch bereitzustellen.
Teilnahme: Der Besuch des Kolloquiums setzt den erfolgreichen Abschluss des Einführungsmoduls sowie der Module 1-4 voraus. Das Kolloquium findet als Präsenzveranstaltung statt und beginnt am 15.4.2026.
Prüfung: Im Kolloquium kann ein Teilnahmeschein durch regelmäßige Teilnahme (3 LP) erworben werden.
CO | Mi 14-16 Uhr | wöch. | Georgenstr. 47, 4.30 (4. Etage)
Agnes: 532850
Forschungskolloquium
Das Kolloquium richtet sich an Masterstudierende und Promovierende und wird in Kooperation wird in Kooperation mit der Medienwissenschaft, Prof. Tkaczyk durchgeführt.
Gemeinsam diskutiert werden mögliche Forschungsfragen und -strategien, Theorie- oder Gegenstandsprobleme, bereits geschriebene Entwürfe oder Kapitel aus den eigenen Arbeiten oder auch wichtige Grundlagenliteratur.
Die konkreten Termine werden in Kürze bekanntgegeben.
Teilnahme: Der Besuch des Kolloquiums ist nur nach persönlicher Anmeldung möglich. Erwartet wird mindestens einmal pro Semester ein Bericht über den Arbeitsstand des Master- bzw. Promotionsprojekts.
CO | Fr 10-14 Uhr | Block | Georgenstr. 47, Raum 4.30 (4. Etage)
Agnes: 523877