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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Kulturwissenschaft

Promovierende

Christa Kamleithner, Felix Lüttge, Moritz Neuffer

 

Christa Kamleithner: Stadtplanung als Wissenschaft. Eine Genealogie der „funktionalen Stadt“

Mit dem raschen Wachstum der Städte und den dabei auftretenden Problemen verdichtet sich Ende des 19. Jahrhunderts die städtebauliche Diskussion. Die Stadtplanung beginnt, sich als wissenschaftliche Disziplin zu konstituieren und ein Wissen auszubilden, das sich von einem älteren städtebaulichen Denken deutlich absetzt. Ziel der Arbeit ist es, die Koordinaten dieses neuen Wissens aufzuzeigen und seiner Vorgeschichte nachzugehen. Die These dabei ist, dass die moderne Stadtplanung wesentlich auf Stadtforschung beruht: Sie interessiert sich für demographische Verschiebungen und verfolgt die Mobilisierung der Bevölkerung wie des Bodens, die durch die veränderten – liberalisierten – ökonomischen und sozialen Bedingungen entstanden ist. Statistik, Kartographie und Ökonomie haben an ihren Entwürfen einen wichtigen Anteil: Sie stellen Verteilungsmuster heraus – Muster der Bevölkerungsdichte, der Verkehrsströme, der Differenzierung und Neuverteilung von Tätigkeiten und sozialen Gruppen –, aus denen um 1900 ein neues Bild von Stadt entsteht. Die Arbeit versucht, diesen Prozess der Wissensmodellierung nachzuzeichnen, in dem sich Empirie und deduktive Ordnung mischen und Beschreibung und Vorschrift ineinander greifen.

Vita
Studium der Architektur und Philosophie in Wien. 2004-05 Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz, 2006-12 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Kunst- und Kulturgeschichte im Studiengang Architektur der Universität der Künste Berlin. 2007-2013 Lehrbeauftragte am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin, Sommersemester 2011 Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg im Masterstudiengang Architektur und Stadtforschung. Seit 2013 Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.


Publikationen (Auswahl)

Theorie der Praxis, oder: Von Nutzern und Lesern, in: ARCH+ 221, 2015, 129-132

Theorie des sozialen Raumes, oder: Die Konstruktion von Situationen, in: ebd., 135-139

Mit dem Markt planen. Zu den epistemischen Voraussetzungen moderner Stadtplanung, in: Planlos! Zu den Grenzen von Planbarkeit, hg. v. Matthias Koch, Christian Köhler, Julius Othmer und Andreas Weich, München: Fink 2015, S. 35-49.

Medien / Architekturen, ZfM – Zeitschrift für Medienwissenschaft 12 (2015), Schwerpunktredaktion mit Roland Meyer und Julia Weber.

Was Architektur macht / What Architecture Does, in: ARCH+ 217 (2014), S. 156-169.

Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften, Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, mit Susanne Hauser und Roland Meyer (Hg.), Bielefeld: transcript 2011/2013.

Neue Mischungsverhältnisse. Zum Gebrauch von Infrastrukturen, in: Infrastrukturen des Urbanen. Soundscapes, Landscapes, Netscapes, hg. v. Nathalie Bredella und Chris Dähne, Bielefeld: transcript 2013, S. 253-273.

Urban Icons. Architektur und globale Bildzirkulation, mit Roland Meyer, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte 2 (2011), S. 17-31.

Differenzierte Interessenslandschaften. Homo oeconomicus und die Anfänge der modernen Stadtplanung, in: Landschaftlichkeit. Forschungsansätze zwischen Kunst, Architektur und Theorie, hg. v. Irene Nierhaus, Josch Hoenes und Annette Urban, Berlin: Reimer 2010, S. 253-263.

„Regieren durch Community“: Neoliberale Formen der Stadtplanung, in: Governance der Quartiersentwicklung. Theoretische und praktische Zugänge zu neuen Steuerungsformen, hg. v. Matthias Drilling und Olaf Schnur, Wiesbaden: VS 2009, S. 29-47.


 

Felix Lüttge: Auf den Spuren des Wals. Geographien des Lebens 1768-1935

Naturforschung, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert als ›Naturgeschichte‹ betrieben wurde, war vor allem das Projekt der umfassenden Klassifizierung von Tieren, Pflanzen und Gesteinen. Mit dem Wal fasst das Dissertationsprojekt die Wissenschaftsgeschichte eines Tieres ins Auge, das sich der eindeutigen Einordnung in das System der Natur lange widersetzte und um dessen taxonomischen Status heftige Debatten geführt wurden. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte der Wal das Experimentalisierungsparadigma der modernen Biologie heraus, während er sich für die Entstehung der Ozeanographie nicht zuletzt wegen seiner ökonomischen Bedeutung als produktiv erwies. Als eine Geschichte eines spezifischen Wissens vom Wal, das sich an der Schnittstelle von entstehender Ozeanographie, Biologie und wirtschaftlichen Interessen konstituierte, soll das Dissertationsvorhaben dem doppelten Interesse an Lebensraum und Lebensbedingung, das die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts dem Wal entgegenbrachte, nachgehen. Dabei soll gezeigt werden, dass die Widerständigkeit des Forschungsgegenstandes ›Wal‹ einerseits nach neuen wissenschaftlichen Methoden und Visualisierungsformen verlangte, jedoch zugleich Forschungs- und Präsentationspraktiken älterer Wissensordnungen zu einer Renaissance verhalf.

 

Vita
Studium der Geschichte und Philosophie in Berlin (HU) und New York (NYU), seit 2014 Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung. Assoziiertes Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg 1539 »Sichtbarkeit und Sichtbarmachung. Hybride Formen des Bildwissens«, Universität Potsdam. April–September 2014 Vertretung einer Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin.

 

 

Moritz Neuffer: Die ›journalistische Form‹ der Theorie. Zur intellektuellen Publizistik der 1950er bis 1970er Jahre

Das Promotionsvorhaben untersucht publizistische Formen von Theoriebildung und Wissenschaftskritik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Beispiel der West-Berliner alternative, der US-amerikanischen Studies on the Left und verwandter Zeitschriftenprojekte, die ab den späten 1950er Jahren als Erben der Kritischen Theorie und des westlichen Marxismus, aber auch als Rezeptionsorte des französischen Strukturalismus und psychoanalytischer Kulturtheorie auftreten, wird untersucht, wie ›Theoriearbeit‹ (O. Negt/ A. Kluge) eine eigene publizistische Kultur hervorbringt, deren Anspruch die Vermittlung von geisteswissenschaftlichem Wissen und sozialer Wirklichkeit, von theoriebildendem Innenraum und gesellschaftlichem Außen ist.

Der ›journalistischen Form‹ (J. Taubes) ist dabei eine Doppelbewegung von Kritik und Konstruktion eigen, die eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Methoden, Institutionen, geisteswissenschaftlichem Kanon, Ideologie und Geschichte zeitigt. Zugleich verschränken sich in den Zeitschriften Theoriebildung und Selbstbildung, insofern das Medium – besonders vor dem Hintergrund historischer Ereigniskonstellationen wie jener des Jahres 1956 – als Medium intellektueller Selbstvergewisserung dient und in ihm Fragen von Legitimität und Zeitlichkeit, Anfang und Ende oder Aktualität und Scheitern von theoretischen Programmatiken verhandelt werden. Das Dissertationsvorhaben untersucht anhand der einschlägigen Beispiele Narrative und Rhetoriken intellektueller Selbstbeschreibung sowie jene philologischen, dokumentarischen und historiographischen Praktiken, die Theorie-Wissen abbilden, hervorbringen und in seiner jeweiligen Gegenwart situieren.

Vita

Studium der Geschichte und Germanistik an den Universitäten Hamburg, Paris VII und Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2014 Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und Wissenschaftlicher Mitarbeiter ebenda. 2012-2013 Forschungsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung am Deutschen Literaturarchiv Marbach. 2015 Co-Kurator der Ausstellung "Reinhart Kosellecks Geschichte zum Sehen" im Literaturmuseum der Moderne, Marbach.

 

Publikationen (Auswahl)

Petra Boden: Soviel Wende war nie. Zur Geschichte des Projekts "Ästhetische Grundbegriffe", Rezension in: Geschichte der Germanistik. Historische Zeitschrift für die Philologien 47/48 (2015).

Drinnen und Draußen. Die Gruppe Poetik und Hermeneutik 1963-2013, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 8 (2014) 3, S. 114-118.

Distanzgesten. Ein Gespräch über das Zeitschriftenmachen mit Ulrich Raulff und Wolfert von Rahden. In: Grundlagenforschung 1 (2014), S. 64-87 (gem. mit Morten Paul). Online: http://1.grundlagenforschung.org/GF1_Rahden_Raulff.pdf

«Collecting Ideas – The Idea of Collecting». 16.05.-18.05.2013, Marbach, Tagungsbericht in: H-Soz-u-Kult, 27.07.2013.

Koselleck liest Kracauer, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 7 (2013) 3, S. 123-27.

Das Ende der ›Alternative‹, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 6 (2012) 4, S. 50-61.